Geschichten aus Paris – Notre Dame (2/22)

Chers Amis de la rue Poncelet,

Ich habe Sie vernachlässigt. Februar kam und ging, der März auch, dabei habe ich Ihnen so viel zu erzählen.

Eines der Highlights meiner letzten Besuche in Paris ist sicher meine virtuelle Reise durch Notre Dame de Paris. Der Spaziergang war so aufregend echt, dass ich manchmal zittrige Knie hatte.  Ein Ersatz für einen Besuch der Kathedrale, die seit dem verheerenden Brand von 2019 für Renovierungsarbeiten geschlossen ist.

Virtual reality - Eternelle Notre Dame de Paris

Es war eine verrückte Erfahrung: Eine Hostess setzte mir einen blinkenden Rucksack mit Steuerzentrale auf den Rücken, und eine schwarze Brille auf die Nase. Sekunden später stehe ich in einer dunklen Gasse, es regnet in Strömen, rechts und links beleuchten ein paar Feuerstellen kleine Fachwerkhäuser. Notre Dame ist kaum zu erkennen. Wir sind im Mittelalter.

Neben mir taucht ein Zimmermann auf, „keine Sorge“ meint er, ich kenne Notre Dame wie meine Westentasche. Sehr tröstlich, selbst wenn es „nur“ ein Avator ist. Wir gehen an den Werkstätten der Kathedralen-Bauer vorbei und fahren auf einer ruckeligen Plattform in die Höhe. Die optische Täuschung ist verblüffend. Durch einen Steinbogen klettere ich ins Innere der Kathedrale. „Vorsicht“, warnt mein Begleiter, „nicht stoßen“. Ich ziehe den Kopf ein. Eigentlich albern, denn an einer virtuellen Mauer kann man sich nicht stoßen. Ich wage einen Blick nach unten. Der reine Nervenkitzel. 

Wir klettern weiter über wackelige Holzbohlen. Das Gebälk ist ein Kunstwerk. Kein Wunder, dass die Architekten für den Wiederaufbau nach dem Brand eintausend neue Eichenbalken benötigen, um die Struktur zu ersetzen. Mein Begleiter erzählt mir derweil Geschichten über das Leben der Menschen und die Bedeutung von Notre Dame über Jahrhunderte hinweg.

Mein Spaziergang durch Notre Dame de Paris - Virtuelle Realität

Am Ende der Besichtigung stehen wir auf dem 69m hohen Nordturm mit seinen acht beeindruckenden Glocken.  Ich blicke vorsichtig auf das Paris von heute, die Seine liegt tief unter mir und auf den Straßen fahren Autos, so klein wie Spielzeuge. Mein Freund, der Avator, lehnt gelassen an der Brüstung, ich stehe wie versteinert da, mir ist ein bisschen schwindelig.

Irgendwann ist die virtuelle Reise  (virtual reality) vorbei und ich stehe mit beiden Beinen auf festem Boden, den ich eigentlich nie verlassen habe. 30 Ingenieure, Architekten und Historiker haben 2 Jahre an dem Programm gearbeitet, um der Realität so nahe wie möglich zu kommen! Gelungen! Wo?  Vorläufig noch unter dem Vorplatz des „Grande Arche de la Défense“, bis das Event in die Conciergerie umzieht.

www.eternellenotredame.com

Zukünftiger Aufzug 10, rue Poncelet Paris

Der Aufzug im Treppenhaus der N° 10 macht Fortschritte. Die heiße Phase (Lärm und Staub) ist schon vorbei. Jetzt beginnen die Montagearbeiten. Michel, mein Nachbar hatte eigentlich immer ein bisschen gegen den Aufzug gestänkert, inzwischen ist er begeistert und schickt fast täglich Fotos. Noch ein bisschen Geduld und wir haben einen schicken, gläsernen Aufzug im etwas schmaler gewordenenTreppenhaus.

 

Ferienwohnung Rue Poncelet - Wohnzimmer

Neues aus der Wohnung: haben Sie auch schon mal ein Glas (Wein?) in die Lücke zwischen zwei meiner Plexiglastische stellen wollen? Oder Sie haben sich gestoßen, weil die Tische so „durchsichtig“ sind und man sie nicht sieht? Das ist jetzt vorbei.  Ein neuer Sofatisch aus Glas mit schwarzer Metallumrandung musste her. Rodolphe (Sie erinnern sich: „der Mann, der alles kann“) hat ihn eines Abends zusammengebaut, dafür schulde ich ihm noch ein Mittagsessen!

In der Rue Poncelet am Café Ponce kann man nicht mehr parken. Dafür sind die Bürgersteige breiter geworden. Sehr zur Freude von Jérôme, dem Besitzer der Brasserie, denn „Café“ bedeutet in Frankreich noch lange nicht: hier gibt’s Kaffee und Kuchen!  Seine Terrasse ist jetzt noch einladender.

Paris! Was tut sich  in Paris? Die Menschen lächeln wieder, denn die Masken sind vor 14 Tagen gefallen, ebenso wie der lästige Impfpass. Der Frühling lässt sich nicht aufhalten, komme was wolle, und das ist sehr beruhigend.

Am Sonntag ist Paris-Marathon! Es war vor einigen Jahren mein erster Marathonlauf (sozusagen als Nachbar, denn der Start ist auf den Champs Elysées).  Wenn sich dort keine Menschen rumtummeln, dann sind es hunderte von Schafen! … wie anlässlich der internationalen Landwirtschaftsmesse als die Landwirte den Almauftrieb in die Stadt verlegten.

Mit herzlichen Grüssen

Frühling rue Poncelet Paris
Frühling rue Poncelet Paris

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.