Chers Amis de la rue Poncelet,
Kennen Sie Fabrice Luchini?
Nein? Pssst, ich auch nicht. Mein Nachbar Michel, bekam glänzende Augen, als ich ihm von meinem Abend mit Fabrice Luchini erzählte.

Fabrice Luchini ist ein französischer Film- und Theaterschauspieler, der mit Stars wie Alain Delon, Marion Cotillard, Gérard Depardieu und Audrey Tautou spielte, seine große Liebe aber gilt der französischen Sprache, und auf der Bühne liest und deklamiert er Werke berühmter Schriftsteller, z.B.: Victor Hugo. Eine Freundin hatte mich zu einem solchen Abend eingeladen, ins „Théâtre des Bouffes Parisiens“.
Anderthalb Stunden göttliches Französisch, aber ohne Punkt und Komma, ohne Atempause. Das Publikum (volles Haus) lauschte andächtig, während ich ab und zu die Augen schloss, dann donnernder Applaus. „Das Ende“, dachte ich. Nein, Zugabe! Luchini war noch längst nicht fertig mit Victor Hugo. Nur ich muss ein Kulturbanause sein, denn auf dem Plakat am Eingang des Theaters steht: „Ausverkauft bis Ende April“.


Auf dem Heimweg machte ich einen Schlenker zur Pyramide des Louvre und warf voller Vorfreude einen Blick auf die Tuilerien. Ab 23. Juni (dem Tag der Musik / le jour de la musique) und bis zum 14. September soll hier wieder jeden Abend der olympische Heißluftballon wie ein Feuerball 60m in die Höhe steigen. Er wird dem Eiffelturm noch den Rang ablaufen, da bin ich fast sicher.

Am Place de l’Etoile …
…stieg ich um, leider in die verkehrte Richtung. Und wo landete ich? An der Metrostation Victor Hugo. Wenn das kein Zufall war!
Au Petit Riche
Am nächsten Morgen hatte ich ein Rendezvous im 9. Arrondissement, oder besser gesagt: einen Termin. Das Charmante an der französischen Sprache ist: sie kennt keinen „Termin“, nur das Rendezvous…und das kann man mit seinem Zahnarzt, Rechtsanwalt oder mit der Steuer haben! Ich fragte mein Gegenüber, wo ich denn am besten zu Mittag essen könnte. „Gleich um die Ecke liegt die Brasserie „Au Petit Riche“, der Service ist gut, ebenso wie das Essen“, fügte er hinzu.

„Petit Riche/ Klein-Reich“?
Soll es heißen, für Leute, die mittelmäßig begütert sind? Oder muss man klein, rundlich und reich sein??? Weder das Eine noch das Andere, bekam ich trotzdem einen sehr schönen Tisch zugewiesen. Die Brasserie gefiel mir gut, mit seinen Sitzen aus rotem Samt, großen Fenstern Art Nouveau, mit ringsherum verspiegelten Wänden an denen ein paar alte Gemälde hängen, über den Sitzen Ablagen aus Messing für Mäntel und Aktentaschen. Ein wichtiges Detail, denn Männer waren hier mehr als in der Überzahl.

Grünpflanzen und Nischen sorgen für Diskretion. Ein Kellner, ganz in schwarz-weiß, mit Fliege und langer schwarzer Schürze, servierte mir mit Grandezza meinen Kalbskopf mit Hirn (tête de veaux vinaigrette avec cervelle). und jetzt fragen Sie sich: wo kommen die illustren Menschen ins Spiel?

Ihre signierten Bilder entdeckte ich auf der Treppe hinauf zu den „chambres séparées“ (und den Toiletten!). Zu Gast war hier wohl Alles, was in Politik, Wirtschaft, Sport, Film- und Fernsehen Rang und Namen hat, u. a. jede Menge frühere Präsidenten (Pompidou, Valerie Giscard D’Estaing, Mitterand, Jacques Chirac). Sarkozy war noch nicht da, er hat im Moment Hausarrest!
Der Tag ging ebenso stilvoll zu Ende…



Herzlichst,
Ihre
Wiebke Ecklé
info@paris-poncelet.com