
Chers Amis de la rue Poncelet,
6 Uhr: mein Telefon schellt – immer lauter…
Ich taste mich zur Kaffeemaschine. „Es muss sein“. Und dabei denke ich an meinen Mann (Franzose), er lacht immer über mich, wenn ich sage: „ich muss…“, das sei typisch deutsch, meint er.
Ich „muss“ aufstehen! Das ist natürlich völlig verrückt, wenn man bedenkt, dass ich erst am Vorabend spät in meiner Ferienwohnung in Paris angekommen bin – und später noch mit Nachbarn bei einem Glas (oder zwei) Rosé Wiedersehen gefeiert habe.
7:15 Uhr: Auf dem Weg zu Notre Dame
Unten in der Rue Poncelet entladen die Händler ihre Ware vom Grossmarkt Rungis. Auch in der Metro ist schon ordentlich Betrieb.
7:55 Uhr: le parvis de Notre Dame – auf dem Platz vor Notre Dame
Es ist noch wenig los, trotzdem muss ich mich durch endlose Absperrungen schlängeln. Dann kann ich endlich in die Kathedrale. „Sie kommen zum Gottesdienst?“ fragt mich eine Dame, „hier entlang, bitte“. Hinter mir schließt sie die Absperrkordel – Touristen dürfen die Kirche zwar schon besichtigen, aber die Messe nicht stören.
8:00 Uhr: ganz vorne ist noch Platz
Große Kirche – großer Gottesdienst: 3 Priester und ein Diakon – ich empfinde eine mir unbekannte Ruhe, fühle mich wohl in dieser lichtdurchfluteten Kathedrale. Sie strahlt Wärme aus, im Gegensatz zu anderen Kirchen, die oft kühl und düster wirken.
Ich denke an meine streng katholische Tante aus dem Sauerland, bei der ich viele Ferien verbrachte. Unter der Woche schickte Sie uns Kinder regelmäßig in die Kirche. Viel später sagte sie mir schmunzelnd: „ein bisschen stillsitzen hat Dir nichts geschadet“. Nun sitze ich wieder still!

Beten fällt schwer
Erinnern Sie sich an den alten Stich, der im Schlafzimmer unserer Ferienwohnung in der rue Poncelet hängt? Unter dem betenden Kind steht „lieber Gott, mach mich fromm, das ich in den Himmel komm“, für heute reicht das sicher nicht aus. Ich versuche es mit einer stillen Botschaft an Gott: dass er sich möglichst gut um alle Menschen kümmern möge, die ich liebe.
Ich denke an meine letzte Beichte – vor hundert Jahren? Muss man heute vor der Kommunion noch beichten? Oder kann Gott mich im Schnellverfahren von meinen Sünden erlösen?

„Wenn Sie heute Notre Dame verlassen, werden Sie sich ein wenig verändert haben.“ (aus der Predigt)
Habe ich mich verändert? Vielleicht! Denn die 8-Uhr Andacht werde ich nie vergessen. Sie hat sich mir tiefer eingeprägt als der Rundgang danach inmitten der vielen Besucher (35 000 pro Tag!).

Spaziergang um Mitternacht
So außergewöhnlich wie der Tag begann, endet er auch:
mit einem kleinen, aber feinen Konzert in Saint-Julien-le-Pauvre, und anschliessend einem späten Abendessen auf einer Terrasse mit Blick auf die Seine…

…und um Mitternacht einem Spaziergang durch die Tuilerien wo das olympische Feuer – der Heissluftballon – noch bis zu 21. September den Himmel erleuchtet.
Er schwebt wie ein greifbarer, riesiger Mond am Himmel von Paris.

Ferien – Auszeit für Körper und Seele
Ihnen allen wünsche ich wunderbare, erholsame Sommerferien, wo auch immer.
Und falls Sie über einen Kurzurlaub in Paris nachdenken: meine/unsere Ferienwohnung in der Rue Poncelet finden Sie ganz einfach:
https://www.paris-poncelet.com ist der direkte Weg!
Herzlichst,
Ihre
Wiebke Ecklé
info@paris-poncelet.com