Geschichten aus Paris und der Rue Poncelet 5/18 – Vaux-le-Vicomte bei Paris

Vaux-le-Vicomte bei Paris: Ein Schloss im Schein von tausend Kerzen

Stellen Sie sich vor, Ihr Vater schenkt Ihnen ein Schloss zur Hochzeit! Würden Sie es annehmen und sagen: „Danke Papa für dieses wunderbare Bauwerk mit seinen Gärten à la française“, oder würden Sie eher zögern: „Wie großzügig von Dir, aber wir sind doch gerade erst umgezogen, und wenn ich an die Dächer vom Schloss Vaux-le-Vicomte mit seinen 20 000m2  und an die Heizkosten im Winter denke, dann wird mir angst und bange!“  

Keine Bedenken hatte Patrice de Vogüé als sein Vater Jean ihm 1967 das Schloss Vaux-le-Vicomte bei Paris zur Hochzeit schenkte.  Der heute Neunzigjährige machte die Restaurierung des Anwesens gemeinsam mit seiner Ehefrau Cristina zu seiner Lebensaufgabe. Schon ein Jahr später durfte die Öffentlichkeit das Schloss besichtigen. Das ist in diesem Jahr genau 50 Jahre her und wird auf Vaux-le-Vicomte gebührend gefeiert.

Ich war in diesem Sommer da und habe mich in das Schloss verliebt. Es ist die Schönheit des Ortes und seine Geschichte, die mich faszinieren:

Nicolas Fouquet, der Finanzminister Ludwigs des XIV.  gab 1656 dem Architekten Louis Le Vau den Bau in Auftrag. Die bis heute gut erhaltene Innenausstattung ist Charles Le Brun zu verdanken, und André le Nôtre war für den riesigen Garten mit seinen 36 Wasserbecken und unzähligen Statuen verantwortlich. Vaux-le-Vicomte wurde zum schönsten Schloss Frankreichs, denn Versailles entstand erst Jahre später.  Die Feste, die Nicolas Fouquet auf seinem Schloss zu Ehren des Königs gab, waren so großartig, dass der König vor Neid erblasste. So erklärte es jedenfalls der Dichter Voltaire. Nicolas Fouquet fiel in Ungnade und wurde zu lebenslanger Haft verurteilt.

Vaux-le-Vicomte gehört nun seit 5 Generationen der Familie de Vogüé. Der Graf lebt heute noch mit seiner Frau in einem Seitenflügel, ebenso wie ihre drei Söhne, die hier aufgewachsen sind.   Wer Glück hat begegnet ihnen, mindestens einer der Familie ist immer zugegen. Die Söhne haben inzwischen das „Geschäft“ vom Vater übernommen, denn das mittelständische Unternehmen beschäftigt 85 Angestellte!

Jeden Samstagabend im Sommer werden gegen 17 Uhr die Fenster des Schlosses mit Holzläden verschlossen. Dann gehen in den Räumen die Kerzen an und der Besucher fühlt sich in eine andere Zeit zurückversetzt.  Sobald die Dämmerung einsetzt, werden im Park 2000 Kerzen entzündet. Dort wartet eine Champagnerbar auf die Gäste. Wer mag, darf picknicken, oder reserviert ein Candlelight-Dinner / dîner aux chandelles im Restaurant „les Charmilles“. Ein unvergesslicher Abend, der mit  einem Feuerwerk – wie zu Zeiten von Nicolas Fouquet –  endet.

Tagsüber sollten Besucher unbedingt bis in die Kuppel des Gebäudes steigen, der Blick über den Park ist grandios, zumal die Perspektive von einem bis zum anderen Ende 3km lang ist. Zu Fuß braucht man einen halben Tag, um die Gärten zu umrunden, wer nicht laufen mag, der mietet einem Elektro-Golfwagen.  Besonders authentisch ist das Ambiente für Groß und Klein in Kostümen aus der Epoche, die man ausleihen kann.  So verkleidet spaziert der Besucher wie im Bilderbuch durch die prunkvollen Gemächer mit den kostbaren Möbeln, den Goblins und den Wandmalereien aus dem 17. und 18. Jahrhundert. Auch in der Küche – die tatsächlich noch bis 1954 genutzt wurde – sieht es so aus, als ob die Köche gerade mal den Kochlöffel aus der Hand gelegt haben.

Das Schloss Vaux-le-Vicomte steht immer ein bisschen im Schatten von Versailles, obwohl es so viel liebenswerter ist, und Gott sei Dank nicht so überlaufen.   Inzwischen ist es auch mit den öffentlichen Verkehrsmitteln gut zu erreichen. Ein Nahverkehrszug ab Gare de L’Est verbindet Paris stündlich in 35 Minuten mit Verneuil L’Etang. Von dort bringt ein Shuttle die Besucher zum Schloss.

Webseite (auf Deutsch unvollständig): Schloss Vaux-le-Vicomte

Anfahrt:
mit öffentlichen Verkehrsmitteln:

  • Ab Gare de l’Est : stündlich mit dem Nahverkehrszug Linie P Richtung Provins, 35 Minuten bis Verneuil l’Etang
  • Abfahrt letzter Shuttlebus vom Schloss 22:05 Uhr oder direkt nach Paris bis zum Gare de Lyon um 23:30 Uhr

Mit dem eigenen Wagen:

  • 50km östlich von Paris

Öffnungszeiten:

  •  täglich von 10 bis 19 Uhr bis zum 4. November 
  • von mittwochs bis sonntags von 11 bis 19 Uhr vom 24. November bis 6. Januar (25. Dezember geschlossen)

Führungen auf Deutsch:

  • Audioguide

Candlelight dinner/dîner aux chandelles:

  • Jeden Samstag bis einschließlich 6. Oktober ab 19:30  Uhr –  Feuerwerk 23:00 Uhr

Tagesausflug mit dem Bus ab Paris:

  •  https://cdn.pariscityvision.com/fr/

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