Geschichten aus Paris 1/21 – Ausgangssperre

Wohnzimmer Ferienwohnung Paris-PonceletParis – 18:00 Uhr – Husch, husch ins Nest!

18:05 Uhr: in der Métro ist noch viel Platz, die Station Ternes ist menschenleer. Auf dem Markt in der Rue Poncelet sind die meisten Läden schon geschlossen, nur der Fischhändler spritzt noch die Tresen ab. Wer jetzt erst einkaufen will, hat Pech – unglaublich. Doch in der Pariser Ferienwohnung ist die Welt noch in Ordnung, es ist mollig warm, Olivia hat vorgesorgt. Ich brauche nur die Kerzen und den Kamin anzuzünden, und dann kommt auch schon Michel, mein Freund und Nachbar, der sich zum Apéro-Dinatoire („Abendbrot“?) angesagt hat.

Mit Schinken, Käse und frischem Baguette stoßen wir mit einer Flasche Lalande de Pomerol auf 2021 an – besser spät als nie -! Michel schüttet mir sein Herz aus: sein Hotel in der Nähe vom Eiffelturm, in dem er seit 35 Jahren als Concierge arbeitet, ist zwar offen, doch die Gäste sind rar. „Ein guter Concierge lebt auch von der Provision“, verrät er mir unter der Hand, „Für jedes Taxi, jede Stadtrundfahrt und jedes gebuchte Restaurant bekommt der Concierge / Portier eine Provision (angeblich geht es nicht auf Kosten des Kunden!). Und in den großen Luxushotels wird der Posten eines Concierge sogar für viel Geld verkauft,“ meint er. Sein einziger Trost: Die Sommerferien auf Kreta sind schon gebucht!

Irgendwann ist die Flasche leer, eigentlich wollte ich trotz Ausgangssperre nochmal auf die Champs Elysées und ein Foto von der schönsten Avenue der Welt – Gottverlassen aber im Lichterglanz – machen. Da es regnet, fällt die Entscheidung leicht: „ab ins Körbchen“.

Paris rue Poncelet - Frühstück

Am nächsten Morgen nach dem Frühstück erwartet mich Marie in ihrem winzigen Friseursalon in der Rue Poncelet. Ihre Spezialität ist Trockenschneiden, das gibt es selten!  Mit dem perfekten „coupe au carré“ geht’s per RER und Métro ins 13ème Arrondissement, bekannt durch China Town und die gigantische Bibliothek François Mitterand. Gigantisch ist auch die Konzentration an ultramodernen Hochhäusern. Meine Freundin hat ihr Haus und Garten im Elsass gegen eine winzige Wohnung in diesem Viertel eingetauscht. Im Vergleich dazu erscheint mir die Wohnung in der Rue Poncelet luftig, hell und – lachen Sie nicht – großzügig! Ich kann jetzt nachvollziehen, wie belastend so ein Lockdown in Paris sein kann.

Ich genieße meine letzten Stunden in Paris. Nicht der TGV, sondern ein ICE bringt mich am nächsten Tag wieder in den Alltag zurück. Die Luftveränderung hat mir gutgetan – trotz allem.Es regnet noch immer und ich verbringe den Rest des Nachmittags im Nobelkaufhaus Printemps, wo ich gewissenhaft alle sechs Etagen abklappere. In Frankreich hat der Winterschlussverkauf begonnen und vor dem nächsten Lockdown muss wohl alles raus. Aber Shoppen ohne Kaffeepause macht eigentlich keinen Spaß, also kaufe ich nichts! Im Bus kurz vor 18 Uhr ist sogar der Platz neben mir belegt. Alle wollen noch schnell nach Hause. Gott sei Dank, die Maskenpflicht wird streng eingehalten.

Liebe Freunde, aus Paris gibt es immer etwas zu berichten: Wichtiges? Unwichtiges? Das entscheiden Sie!

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